Bessere Verpackungen für eine bessere Welt

Alles klar. Mitschuld am Hunger der Welt ist der Fakt, dass

“ein Drittel der global produzierten Lebensmittel, jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen, auf dem Weg vom Acker zum Verbraucher verloren geht oder verschwendet wird.”

Wo genau gehen denn die Nahrungsmittel verloren? Bestimmt nicht beim Bauer oder auf dem Weg von dort zur Verarbeitung. Die Bauern werden schon dafür sorgen, dass ihre Wage nicht verdirbt, da sie diejenigen sind, die in der gesamten Kette wohl am wenigsten verdienen (sollte ich besser sagen “Geld dafür bekommen”).

Warum verderben so viele Lebensmittel?

Ein Grund dafür dürfte sein, dass viele Lebensmittel bei uns anscheinend nicht angebaut werden können.

Beispielsweise Kartoffeln.

Schaue ich bei Real auf das Herkunftsland der Zwiebeln oder Kartoffeln wundert mich auch nichts mehr. Diese werden, bevor sie in meinem Supermarkt im Regal landen, sage und schreibe 18000 Kilometer (Luftlinie) um die Welt transportiert. Ja, richtig gelesen. Angebaut wurden sie in Neuseeland.

Wie kann man dem Verbraucher da noch “Frische und Qualität” bescheinigen? Beide Lebensmittel kann man in Deutschland wunderbar anbauen und bereits ein bis zwei Tage nach der Ernte im Regal wiederfinden.

Außerdem bleibt die Frage offen, wer bei diesem Geschäft der Verlierer ist.

“Lieber Verluste reduzieren als die Produktion erhöhen”

Die Industrie hat bereits neue Konzepte für Verpackungsmaschinen sowie “smarte” Verpackungen angekündigt. Doch das Versprechen wird sich nur schwer umsetzen lassen. Bauern in Nigeria müssen erst einmal überzeugt werden, dass sie ihre Rohstoffe besser am Ursprungsort verpacken als sie ungeschützt auf Reisen zu schicken. Und die westliche Sorglosigkeit ist noch schwerer zu bekämpfen: “Viele Verbraucher sehen das Mindesthaltbarkeitsdatum als Trennungsabsolution, obwohl viele Lebensmittel nach Ablauf noch frisch sind”

[…]

Die US-Firma Sonoco wiederum entwickelt Verpackungen mit integrierten Mikrochips. Sie sammeln über Sensoren stetig Informationen über den Zustand eines Produkts, wie Feuchte und Temperatur zum Beispiel. Werden programmierte Schwellenwerte über- oder unterschritten, dann löst die Verpackung einen Alarm aus.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,778981,00.html

Verluste zu reduzieren bedeutet für mich allerdings nicht, dass man ein verderbliches Produkt, nur um ein paar Cent zu sparen, um den halben Planeten transportiert und dabei riskiert, dass es eben verdirbt. Auch eine Verpackung mit “Mikrochip” wird nicht verhindern können, dass ein Lebensmittel ungenießbar wird.
Zwar kann mir der Chip ein baldiges verderben eines Lebensmittels vorzeitig anzeigen, verarbeiten kann ich es trotzdem nicht unbedingt. Da (zumindest in urbanen Gebieten) der nächste Supermarkt meist nicht weiter als ein Steinwurf entfernt ist, ist die Notwendigkeit der Lagerung größerer Mengen Lebensmittel (und deren Risiko zu verderben) nicht gegeben.
Hauptsache unserer Wirtschaft geht es gut und irgend ein Aktienpreis, der nichts mit der Realität zu tun hat, sinkt nicht. Jetzt, in einer Zeit in der selbst die USA pleite sind, wäre ein guter Zeitpunkt das System mal zu überdenken. Durch die sogenannte Finanzkrise, einer Phase, in der sich vieles ändert, wäre es wohl ein leichtes, auch solche Missstände zu beseitigen.

Ich werden in Zukunft einen weiten Bogen um Produkte machen, die viele tausend Kilometer gereist sind obwohl man sie bei uns genauso gut produzieren kann.

Nachahmer willkommen…