Während der letzten Tage verfolge ich mit großem Interesse die Ereignisse rund um den Staatstrojaner. Es ist schon faszinierend wie hier die Verantwortlichkeiten herumgeschubst werden. Es will keiner gewesen sein, alle zeigen auf andere, die die Verantwortung widerum von sich weisen.
Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Man geht normalerweise davon aus, dass, bevor Software mit diesen Möglichkeiten eingesetzt wird, diese geprüft wird und sich gewisse Institutionen den Einsatz auch absegnen lassen.
In kaum einer Firma kann heutezutage noch Software ausgerollt werden, ohne vorher einen Testzyklus durchlaufen zu haben und von einem Verantwortlichen abgezeichnet zu sein.
Im Falle der mittlerweile bekannten Software der Firma Digitask (die wohl nicht mal in der Lage sind, die eigene Website zu schützen) muss wohl auch irgendjemand mal einen Test durchgeführt haben und eine Art Abnahmeprotokoll unterzeichnet haben. Oder wird die beauftragte Programmierleistung (sofern man hier von einer Leistung sprechen kann) ohne Prüfung entgegengenommen?
Ich würde zu gerne wissen, wer hier als Verantwortlicher unterzeichnet hat!
Wer oder was ist eigentlich DigiTask
Warum bekommt eigentlich DigiTask den Auftrag, den Staatstrojaner zu programmieren? Es ist nicht davon auszugehen, dass es hier eine Ausschreibung im klassischen Sinne gab. Wer entscheidet anhand welcher Kriterien über solche Auftragsvolumina?
…dass Digitask nicht nur mit millionenschweren Aufträgen aufwarten kann, sondern auch mit einem ehemaligen Chef, der wegen Bestechung von Mitarbeitern des Zollkriminalamtes verurteilt wurde.
Interessant finde ich auch, dass auch das Zollkriminalamt mit erwähnter Software arbeitet, diese demnach auch von DigiTask gekauft hat. Man sollte davon ausgehen, dass man mit einem Unternehmen, dessen Geschäftsführer rechtskräftigt wegen Bestechung verurteilt wurde (wie auch ein Mitarbeiter des Zollkriminalamtes) jegliche geschäftliche Beziehungen abbricht. Jedenfalls würde dies von jedem ehrlichen Unternehmer erwartet werden.
Andere Verbindungen zur Politik
Eine Erklärung für die fortgeführten Geschäfte könnten “offene Rechnungen” sein:
Die Verbindungen zwischen der öffentlichen Hand und der Firma sind auch in anderer Hinsicht interessant. Digitask ist laut Auskunft von Creditreform eine hundertprozentige Tochter des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens “Deloitte Deutschland”, die das allerdings bestreitet und angibt, von 2000 bis 2005 “in Abstimmung mit Ermittlungsbehörden treuhänderisch Gesellschafteranteile der Firma DigiTask verwaltet” zu haben. Diese wurden dem Unternehmen zufolge aber “bereits am 5. Mai 2006 notariell beglaubigt rückübertragen, sodass Deloitte Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt keinerlei Geschäftsbeziehungen zum Unternehmen DigiTask unterhält.”
Dass gerade “Deloitte” mit dieser treuhänderischen Verwaltung beauftragt wurde, hinterlässt deshalb ein Geschmäckle, weil die Firma 2009 einen Unternehmensbeirat gründete, dessen Vorsitzender Dr. Edmund Stoiber ist, während sich im Beirat selbst unter anderem der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily und Liz Mohn von Bertelsmann wiederfinden. Der Beirat wurde 2 Jahre nach der Verabschiedung Stoibers von der politischen Bühne gegründet, sodass dieser fast nahtlos von der Politik in die Wirtschaft wechseln konnte.
via Telepolis/Twister
Manche Geschäftsbeziehungen lassen sich eben nicht ganz so einfach auflösen. Wer hier wem noch einen Gefallen schuldig ist, wird wohl nicht ans Licht kommen.
Wer hat Euch das eigenlich erlaubt?
Zu der Frage, wer geprüft hat, ob die gekaufte Software auch ihren Zweck erfüllt und in dieser Form zur Anwendung gebracht werden darf lässt sich nicht allzuviel sagen.
Die Erlaubnis wurde wohl kurzerhand aus eigenen Reihen eingeholt. So hat das bayrische LKA wohl bei entsprechnden Behörden anderer Bundesländer um Prüfung gebeten.
Das bayerische Landeskriminalamt teilte schließlich mit, dass es sich bei den externen Prüfern nicht um versierte IT-Sicherheitsexperten, sondern um Mitarbeiter anderer Landeskriminalämter handle.
via Fefe
Es sieht also danach aus, dass hier alles rechtsstaatlich legitimiert abgelaufen ist und am Ende außer ein wenig schlechter Presse niemand die Konsequenzen tragen muss. Schießlich überwachen sich unsere Überwacher ja zuverlässig selbst.
Da dann prost!

